Wege zum Ruhm – Grothendieck und Hirzebruch, 1945 – 1955

  • Prof. Dr. Winfried Scharlau: Professor für Mathematik, Westfälische Wilhelms-Universität Münster
  • Alte Handelsbörse, Mittwoch, 28. November 2012, 19:00 Uhr

Alexander Grothendieck und Friedrich Hirzebruch, beide fast gleichaltrig, waren 1955 mit noch nicht einmal 28 Jahren weltberühmt. Arbeiten zu demselben mathematischen Problem hatten ihnen zu diesem Ruhm verholfen. Beide hatten Versionen des Satzes von Riemann-Roch bewiesen, eines der zentralen Ergebnisse der theoretischen Mathematik des 20. Jahrhunderts. In ihren Lebensläufen spiegelt sich die dramatische Geschichte des letzten Jahrhunderts wider. Grothendieck, in Berlin geboren, sein Vater war ein jüdisch-russischer Anarchist, entkam nur knapp dem Terror des Nazi-Regimes. Er lebte als Kind zeitweise in französischen Lagern und erhielt niemals eine geordnete Schulausbildung. Ein unbändiges Verlangen »den Dingen auf den Grund zu gehen« führte ihn zur Mathematik. Hirzebruch dagegen wuchs in einem gutbürgerlichen Elternhaus auf, aber auch er lernte Flakhelferdienst, Krieg und Gefangenschaft kennen und wurde Zeuge der Zerstörung Deutschlands und seiner Universitäten. Trotz des gemeinsamen Zieles könnten beide in ihrer Arbeitsweise kaum verschiedener sein: Grothendieck ist Erbauer umfassender abstrakter Theorien, Hirzebruch orientiert sich an konkreten »schönen« Beispielen.

Professor Winfried Scharlau, Jahrgang 1940, hat in Bonn bei Friedrich Hirzebruch promoviert und wurde 1970 zum ordentlichen Professor für Mathematik an die Universität Münster berufen. Ab 1991 war er zwei Jahre Präsident der Deutschen Mathematiker-Vereinigung. Seine Arbeitsgebiete sind Algebra und Zahlentheorie sowie Geschichte der Mathematik. Er schreibt an einer umfassenden Biographie von A. Grothendieck, von der zwei Bände unter dem Titel »Wer ist Alexander Grothendieck?« bereits erschienen sind. Er hat jetzt mit der Arbeit an einer Biographie von Friedrich Hirzebruch begonnen.

für weitere Informationen siehe das Poster zu dieser Veranstaltung.

Letzte Änderung: 16. Juni 2013